Wie viel Gott steckt in deinem Alltag? Und nein, damit sind nicht die Gottesdienstbesuche, Bibelkreis-Stunden und Gebets-Momente gemeint. Wo kannst du ihn zwischen allen Glaubenspraktiken, im ganz Alltäglichen finden? GAiN-Mitarbeiterin Anne-Katrin durfte genau das entdecken und erleben, wie Gott sie immer wieder zum Staunen bringt.
„Die größten Transformationsereignisse, die Gott überhaupt anstoßen kann, geschehen nicht zwingend zwischen Nationen, nicht zwingend in Äußerlichkeiten, sondern in einem einzelnen Menschenherz.“
Aus „Kreuzreise“ von Andreas Boppart und Central Arts
Am diesjährigen Himmelfahrtstag stellte Boppi in einer Predigt die Frage, wann wir zum letzten Mal über Gott gestaunt haben, wann er uns zum letzten Mal überrascht hat. Ich war fröhlich erstaunt, dass ich in dem sich anschließenden Stille-Moment unmittelbar drei Begebenheiten in meinem Notizbüchlein festhalten konnte. Hier sind sie:
Als ich neulich in einer christlichen Buchhandlung in Marburg (dort hatte ich bis 2022 fast 20 Jahre gelebt) eine Bibelhülle bestellte, schrieb die Mitarbeiterin alle Fakten dazu auf. Darunter schrieb sie meinen Namen, was mich sehr erstaunte, denn ich hatte kein Dokument herausgezogen, wo sie den hätte abschreiben können. Ich muss sie sehr erstaunt angeschaut haben und fragte, woher sie denn meinen Namen wisse. Es war ein Gesprächskreis, den ich zu Beginn meiner Marburger Zeit mal besucht haben muss, und sie habe von mir in der Zeitschrift einer Kommunität gelesen. Wow! Ich wurde erkannt, was mich tief bewegt hat, denn diese kleine Begebenheit erinnerte mich daran, dass auch Gott mich kennt.
Ein alter KaufmannsladenAls ich Anfang 2025 mit GAiN auf einem Hilfstransport nach Lettland mitfahren durfte, war auch der Kaufmannsladen meiner Kindheit Teil der Ladung. Ich hatte es endlich geschafft, mich von ihm zu trennen, verbunden mit der Hoffnung, dass er noch einem anderen Kind auf der Welt Freude machen könnte und es gerne damit spielt. Zuvor lag dieser Spielladen wirklich sehr lange verpackt in Kellern und Regalen herum. In Lettland waren wir nicht bei der Entladung dabei. Deshalb konnte ich nur von meinem Kaufmannsladen erzählen. Würde es einen neuen Besitzer oder Besitzerin geben? Trotz mehrfacher Nachfrage hörte ich nichts mehr darüber von der Projektpartnerin. Ob er doch zu alt war und sie sich nicht getraute, mir zu sagen, dass sie ihn entsorgt hat? Es wäre auch in Ordnung gewesen, denn er hatte seine Zeit … Vor kurzem erreichte mich ein herziges Foto von einem fröhlich in die Kamera strahlenden Mädchen, das meinen Kaufmannsladen bekommen hat. Das war wirklich eine Überraschung, mit der ich nicht mehr rechnete. Ich glaube, dass die Freude bei mir so groß war, weil ich wirklich losgelassen hatte. Wenn man loslässt, kann manchmal ganz neues entstehen.
Die dritte Begebenheit war eine Erfahrung in der Schöpfung, die mir meinen in Gott gegebenen Wert neu vor Augen stellte. In Gießen, meinem jetzigen Wohnort, gibt es eine Allee, an deren Radweg an beiden Seiten Kastanien stehen. Diese blühen abwechselnd in rosa und weiß in jedem Frühjahr so schön, dass ich immer den Eindruck habe, durch einen Blütentunnel zu radeln. Eines Morgens lagen nach einem Sturm viele der Blüten auf dem Boden, so dass dieser ganz übersät damit war. Ich empfand es in meinem Herzen so, als habe der himmlische Papa den „roten Teppich“ für mich ausgerollt. Diesen Eindruck zuzulassen und nicht verstandesmäßig wegzureden und klein zu machen, war gar nicht so leicht, da es mir viel näher lag, das alles sachlich zur Kenntnis zu nehmen und durchzuwinken, als meiner Intuition zu glauben. Nur wenn ich dieses innere Bild weiterdachte und zuließ, kam mir auch meine gottgegebene Würde in den Sinn und genau die Erinnerung daran, stärkte mich für diesen Tag.
Drei Überraschungen mitten im Alltag, mitten in meinem Herzen, die meinen Glauben an Gott beflügeln, die mich erfahren lassen, dass er mich sieht, ich nicht vergessen bin und er mich durch seine Schöpfung zu beschenken vermag, und wieder drei Gründe, um über ihn als Herrn und Heiland zu stauen.
Anne-Katrin L. – Mitarbeiterin GAiN