Aus dem Dunkel ins Licht

Jesus in der Welt des Jazz

Juli 2024: Franz (Leiter von Crescendo-Deutschland) bekommt im Gebet zugesprochen: „Jazzmusiker werden nach und nach aus dem Dunkel ins Licht hervorkommen. Es werden Leute zu dir finden, irgendwie.” Franz hatte schon seit längerem versucht, Kontakt zu Jazzmusikern aufzunehmen, um sie geistlich zu stärken, bisher mit wenig Erfolg. Kein Wunder, dass er bei diesem Zuspruch denkt:

„Ja gern! Aber wie bitteschön soll das denn passieren?“

Obwohl schon von Beginn an Jazzmusiker im Crescendo-Netzwerk sind, ist es meist mühsam, mit ihnen Kontakt zu halten. Sie müssen oft sehr viel arbeiten, um ausreichend zusammenzubekommen für ihren Lebensunterhalt. Da bleibt kaum Zeit, sich mal entspannt zu einem Kaffee zu treffen, wenn dabei nicht gleichzeitig auch ein Projekt oder Engagement herausspringt.

Andererseits liegt in der Jazzmusik zutiefst eine spirituelle Veranlagung verborgen. Für Franz ist klar: „Jazz vermittelt ein Gefühl der Transzendenz – die Fähigkeit, sich mit einer kreativen Kraft zu verbinden – selbst bei denjenigen, die zögern, über ‚Gott‘ zu sprechen.“

Aber die wenigen christlichen Jazzmusiker halten sich oft zurück, von ihrem Glauben zu reden. Der Zynismus vieler Kollegen macht es ihnen schwer. Deren Vorbehalte gegenüber dem christlichen Glauben sind groß. Einfache, christliche Antworten wirken auf sie meist zu platt, erreichen sie nicht mit ihren komplexen Lebensfragen und Weltanschauungen. Das Leben ist eben nicht einfach „happy clappy“. Auch wenn viele nach außen hin cool wirken, haben sie meist ganz schön zu tragen an den Lasten ihres Lebens. Aber gerade deshalb möchten wir sie mit Jesus, dem das ja auch so ging, bekannt machen. Nur wie?

Wie wäre es, wenn die christlichen Jazzmusiker überhaupt erst einmal voneinander wüssten? Wenn sie sich gegenseitig stärken und ermutigen und Erfahrungen austauschen, so dass sie Mut bekommen, doch in ihrem Umfeld Gott ins Gespräch zu bringen?

Spulen wir vor: Dezember 2025. Wer kam eigentlich auf die Idee mit der WhatsApp-Gruppe? Franz kann sich nicht mehr richtig erinnern. Aber so simpel sie ist, so hilfreich ist sie! Staunend und verwundert stellt er fest: „Mehr als 45 Jazzmusiker aus 13 Ländern sind inzwischen in unserer Community Whatsapp-Gruppe! Der rege Austausch und gegenseitige Ermutigung tun allen gut. Leute aus unterschiedlichen Milieus sind zusammen. Sie posten, was gerade cool läuft, schicken Links von ihrer Musik. Aber sie teilen auch Gebetsanliegen, manchmal sehr persönliche Dinge!“ Und man bekommt das Gefühlt, dass diese Musiker langsam aus dem Dunkel ins Licht treten.

Das ist bestimmt noch nicht die Erfüllung des Gebetseindrucks. Aber es ist was losgegangen. Was als kleines Projekt gestartet wurde, fühlt sich nun mehr wie eine Bewegung an.

„Vor einiger Zeit“, erzählt Franz, „hat mir ein New Yorker Jazzpianist sein Herz ausgeschüttet einfach per Sprachnachricht.“ Er fährt fort: „Kurze Zeit später bekam ich gleich noch eine Nachricht von ihm: ‚Danke für deine Gebete! Danke für deinen Einsatz und deine Arbeit.‘ Wow, dachte ich, wir dürfen wirklich nah dran sein an den Leuten und sie ermutigen, Salz und Licht zu sein in der Jazzszene.“

Mit einem kleinen Team aus vier Ländern gestaltet Franz diese Initiative. Es gibt nun auch zweimonatlich ein Community-Zoom-Treffen, JAZZunity. Dabei geht es um die Verbindung von Glaube & Musik, Jazz & Jesus. Vielleicht ist 2026 sogar ein lokales Treffen irgendwo in Europa möglich. An Ideen mangelt es nicht!

Mit Crescendo träumen wir von noch mehr Orten, wo Jazzmusiker Räume finden, um ihren Glauben zu teilen, ihre Kollegen einzuladen und den Heiligen Geist in ihr Spiel einzubeziehen. Dann klingt womöglich durch manchen Blues ein Gospel durch.

Claudia Michaelsen

Irgendwann kam mal ein Pastor vorbei und meinte: ‚Hier oben ist man Gott so am nächsten, und das glaub’ ich irgendwie auch.‘“

Ein Wochenende mitarbeiten auf der Alm. Genau das hat FLOW mit einer kleinen Gruppe Anfang Juni gemacht. Der Wunsch der Gruppe war es, mit einer dienenden Haltung zu kommen – ohne festes Programm, dafür mit der Bereitschaft, Ingrid* – die Sennerin auf der Alm – in ihrem Alltag zu unterstützen. 

Dort oben in den Bergen durfte die Gruppe eine ganz besondere Art von Gottesdienst erleben.

Mitanpacken auf der Alm

Hauptsächlich stand das „schwenden” auf dem Programm – das Schneiden von Latschen, damit die Weideflächen frei bleiben. Ganz spontan ergab sich noch eine weitere Aufgabe: Der Bauer und seine Frau, denen die Alm gehört, hatten eine Wasserquelle entdeckt und sammelten Steine für einen Brunnen. Zwei Personen aus der Gruppe halfen mit, und es war schön zu sehen, wie ein Bauingenieur aus der Gruppe sein Fachwissen einbringen konnte – helfende Hände und hilfreiches Wissen.

Und etwas später bekamen sie die Info – der Brunnen spendet ordentlich Wasser!

Glaubensgespräche inmitten der Berge

Während der Essenszeiten kam die Gruppe gut ins Gespräch. Ingrid war sehr interessiert und stellte viele Fragen zum Glauben und zur Arbeit bei FLOW. Immer wieder kamen tiefere Gespräche über Glaubensthemen auf, bei denen Ingrid ihr persönliches Gottesbild teilte. Auch ihre Freundin Beate* war dabei und am Ende konnte die Gruppe den beiden ein Buch über die Auferstehung schenken.

Wie es sich für eine Gruppe Christen gehört, durfte auch die Gitarre auf dem Berg nicht fehlen. Die Gruppe sang „typische“ christliche Lieder, und Ingrid bat um die Noten des Liedes „Danke für diesen guten Morgen“. Man sieht: Es braucht nicht zwingend einen Gottesdienst oder ein Programm, um Türen für Glaubensgespräche zu öffnen – manchmal reicht allein das „Dasein“ und die Offenheit der Menschen.

Im Sommer auf dem Berg – Im Winter in Italien

Im Winter ist Ingrid in Ligurien bei der Olivenernte und wer weiß – vielleicht ist FLOW auch dort wieder mit am Start, um zu dienen und einfach, um da zu sein und vielleicht auch hier eine besondere Art von Gottesdienst zu erleben. 

Sarah Weisser

*Namen von Redaktion geändert

Das Kunst-Ministry central arts begibt sich mit seinem Format “Kingdom-Come-Night” immer wieder auf unbekanntes Terrain. Nie ist eine Nacht wie die andere. Sie mögen sich ähneln, doch gleich sind sie nie. Eine Mitarbeiterin erzählt:

Im Raum ist es kühl und ruhig, das Licht einer Stehlampe taucht ihn in ein dämmriges Warmweiß. Draußen war es schwül, selbst am Abend kühlte es nur leicht ab. Der Tag war voller Begegnungen, Besprechungen, Eindrücke. In mir klingt das Gespräch mit Joni nach. Dazu mischt sich ein Summen, Gedankenfetzen aus der Begegnung mit Julia. Immer wieder tönt die Frage von Charly auf. Unruhige Erschöpfung. Ich bin müde.  

Nun sitze ich im Kühlen, spüre, wie mein Körper und mein Geist aufatmen und zur Ruhe kommen. Ich sehe mich um und schaue in geschaffte Gesichter. Müde Augen. Stirnfalten. Hängende Schultern. Einige Momente vergehen und auch im Gesicht meines Gegenübers zeichnet sich langsam Entspannung ab. Erleichterung. Aufatmen. 

Die Schultern heben sich, der Blick weitet sich, Neugier und Sehnsucht stehen in den Augen geschrieben: “Was kann ich von diesem Abend erwarten?”

Dann Stille. Einatmen. Halten. Ausatmen. Nochmal. Einatmen. Halten. Ausatmen.

Julia schlägt sanft ein paar Tasten des Klaviers an und stimmt mit ihrer Stimme ein. Wir folgen und erleben in den folgenden 50 Minuten eine gemeinsame Zeit des Betens und Hörens. Des Improvisierens und Singens. Des kreativen Interagierens. Miteinander und mit Gott. 

Mein Blick bleibt an dieser Collage hängen. Beim kleinen Segelboot auf dem weiten Meer. Und in mir finden sich Worte und Gefühle zu einem Gebet zusammen:

Ich setze meine Segel in deinen Wind, lasse mich treiben, wohin er mich bringt.

Dazu gesellen sich weitere Verse:

We are walking on a mercy map.

Neue Worte und Melodien füllen den Raum: 

Ich wünsche mir keine gewöhnliche Reise mit Gott, sondern eine Abenteuerreise.

Rückenwind, ER ist es, der uns nach vorne bringt. Wir dürfen uns frei tragen lassen und offen sein, wohin die Reise geht.

Es sind Worte, Melodien und Gebete, die uns weiter begleiten werden – als Einzelpersonen, als Team, als Central Arts. 

Lasst uns nicht los segeln ohne die Gegenwart, ohne das Vorausziehen Gottes. 

 

Hanna Löffler, Speaker & Writer Central Arts

Professionelle Musikerinnen und Musiker aus Klassik und Jazz zu „vernetzten, inspirieren und stärken“, damit Gott in und durch sie wirken kann, ist der Herzschlag von crescendo. Zum dritten Mal startete crescendo mit der SELAH, einer gemeinsamen Online-Besinnungszeit für professionelle Musik- und Kunstschaffenden anderer Kunstsparten, ins neue Jahr. 

Ein bisschen skeptisch war unser dreiköpfiges Crescendo-Team schon: Wird sich nach der Pandemie noch jemand auf ein Zoomformat einlassen? Doch tatsächlich gingen knapp 100 Anmeldungen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum ein.
Drei Januarwochen lang begleitete ein Bibeltext die Teilnehmenden der SELAH’23. Dieser wurde dann zum gemeinsamen Zoom-Wochenstart angehört und erste Assoziationen in Kleingruppen ausgetauscht. Dieses Jahr stand 1. Mose 2 unter dem Motto „GEWOLLT SEIN“ im Focus. 

„Um ehrlich zu sein: ich war enttäuscht! Den Schöpfungsbericht kenne ich ja nun wirklich schon seit Kindergottesdienstzeiten!“ gestand ein Teilnehmer hinterher, „Aber ich bin echt erstaunt, wie viel Neues ich entdecken konnte und vor allem, wie viel das mit mir und meinem Künstlerberuf zu tun hat!“ 

Eine wichtige Sache bei der Arbeit mit Kunstschaffenden ist und bleibt: Flexibilität. Daher bereiteten wir für die einzelnen Tage Anregungen für eine persönliche Zeit mit Gott vor. Darauf konnten die Teilnehmenden online zugreifen und sie flexibel in ihren Alltag einbauen.  Eine der Kategorien war: „Beobachtungen am Text“. Max Richter, Theologe und Leiter von crescendo Deutschland, erläuterte per Video – oft vom Hebräischen Urtext her – die Hintergründe der Bibelstelle. Ebenfalls auf dem Programm standen ein Gebetsspaziergang mit Jesus sowie ein Bild, Text oder Musikwerk, das einen Aspekt des Wochenabschnittes beleuchtete. Besonders kreativ wurde es durch die Anregung, dem, was einem in der Woche wichtig wurde, einen künstlerischen Ausdruck zu geben: Als Elfchen, Bild, Mikro-Komposition oder etwas ganz anderem. 

Und was sagen die Teilnehmenden dazu?

„Mein Highlight war die Woche, in der es um den ‚Lebensatem‛ ging! In der Kleingruppe sagte jemand: ‚Jedes Einatmen ist Geschenk; jedes Ausatmen ist Dank!‘ Mir das ganz bewusst zu versinnbildlichen, war für mich als Sängerin ein großartiger Moment.“

„Als es um die Ausmaße des Garten Edens und der Flüsse darin ging, habe ich diese große Freiheit und Weite in der Geschichte Gottes mit uns gespürt. Irgendwie bin ich jetzt etwas hoffnungsvoller, was das Jahr bringt, trotz der finsteren politischen Lage. Ich fühle, dass es kostbar ist, was ich mache.“

“Ich bin jedes Mal erfreut, Zusammengehörigkeit zu spüren, obwohl wir doch an so unterschiedlichen Stellen leben. Mir scheint, dass ein großes Vertrauen da ist.“, schrieb eine Teilnehmerin hinterher.

Wir freuen uns sehr über die Resonanz, die Vernetzungen, die geistliche Ermutigung und künstlerischen Inspirationen, die SELAH’23 wieder gebracht hat. Denn „Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund!“ sagt Jesus (Lk 6,45)  und davon singen, spielen, malen, dichten, tanzen und reden die Kunstschaffenden! Das ist sich das crescendo – Team sicher und denkt schon an SELAH’24. Aber bis dahin haben sie noch eine Menge andere Projekte am Start. Man darf also gespannt bleiben. 

Und um die Zeit bis dahin zu verkürzen, kannst du hier die “Beobachtungen am Text” der SELAH’23 genießen: 

https://youtube.com/playlist?list=PLC6PtvnDAnplCkQoonJUoBPu22CuK8FRh